Allgemein anerkannte ärztliche Feststellungen zum Vitamin D

 

siehe auch: Fachübergreifender osteologischer Konsens, Information für Kollegen

 

Vitamin D ist längst nicht mehr das Vitamin, welches nur zur Behandlung von Rachitis eingesetzt wird. Vitamin D ist wichtig für die gesamte Gesundheit und für das Wohlbefinden. Unsere geographische Lage und unsere Lebensweise sowie der Gebrauch von Sonnenschutzmitteln begünstigen Vitamin D Mangel. In fast allen Regionen der Welt wurde ein Mangel an Vitamin D (25-OH Vitamin D) festgestellt, nicht nur bei alten Menschen, sondern bei 50 % der Untersuchten. Säuglingen und Kleinkindern verabreichen wir regelmäßig Vitamin D (z.B. Vigantoletten), bei den Erwachsenen wird es vernachlässigt.

Vitamin D Mangel führt zu vielfältigen Leistungsminderungen.

 

Nagellinien

Mit freundlicher Genehmigung von
Dr. Raimund von Helden

Symptome bei Vitamin D Mangel

  • Allgemeine Leistungsminderung, schlapp fühlen
  • Muskelkrämpfe, auch nachts z.B. der Waden
  • Muskelverspannungen meist im Nacken und Rücken
  • Muskelzittern z.B. an Oberschenkeln
  • Augenlidzucken
  • Fingernägel brechen leicht oder haben weiße Flecken
  • Antriebslos, müde, traurig
  • Schwindel bei körperlicher Anstrengung
  • Kopfschmerz bei körperlicher Anstrengung
  • Gelenkschmerzen, z.B. Knieschmerzen bei Jugendlichen
  • Ganzkörperbeschwerden (Osteomalazie)
  • Infektanfälligkeit
  • Schlafstörung
  • Nervosität, Konzentrationsmangel

 

Hinzu kommen Symptome der Rachitis bei Kleinkindern und Osteoporose bei Erwachsenen

 

Wirkung des Vitamin D:

  • Kalzium wird im Darm vermehrt aufgenommen
  • Knochenaufbau wird aktiviert
  • Knochenbruchrisiko sinkt
  • Erhöht die Leistungsfähigkeit der Muskulatur, höhere Maximalkraft, mehr Schnellkraft, weniger Verspannungen,
    weniger Muskelkrämpfe, insgesamt nicht mehr so "schlapp"
  • Sturzrisiko wird verringert, Verbesserung der Motorik
  • Verbesserung der Immunabwehr
  • Verbesserung bei Diabetes durch Förderung der Insulinausschüttung in der Bauchspeicheldrüse und
    Stimulation der Insulinrezeptoren in Muskel- und Fettzellen
  • Bluthochdruck wird verringert
  • Risiko für einige bösartige Tumoren (z.B. Mamma-Karzinom) wird verringert

 

Wie hoch sollte das 25 OH Vitamin D im Blut sein?

Wünschenswerter sind mindestens 30–40 ng/ml (= 75–100 nmol/l)
gut ist 40 bis 70 ng/ml (= 100–175 nmol/l)
nicht überschritten werden sollten 100 ng/ml (= 250 nmol/l)

 

Im guten Bereich liegt man zur Vorbeugung mit folgenden Tagedosen
(nach dem "Vitamin D-Papst" Holick, MF. Vitamin D Deficiency. NEngl J Med 2007):

 

Kinder/Jugendliche: 400 – 1000 IE Vitamin D
Erwachsene: 1000 – 2000 IE Vitamin D

 

Vitamin D kann auch wöchentlich genommen werden in dann entsprechend höheren Dosen. Zur Therapie bei Vitamin D Mangel müssen wesentlich höhere Dosen verordnet werden.

 

Wie decke ich meinen Vitamin D Haushalt?

Um es vorweg zu nehmen, Sie erreichen die optimale Vitamin D-Menge meist nur durch zusätzliche Tabletten.
Oder erreichen sie 1000 bis 2000 IE in ihrer täglichen Nahrung (+ Sonnenexposition 3 Stunden/Tag – auch im Winter)?


 

Vitamin D-Gehalt von Nahrungsmittel µg / 100 g IE = internationale Einheiten Vitamin D
Fisch    
Lebertran 23 900
Hering (Bückling, Matjes) 30 1.200
Hering mariniert (Bismarckhering) 13 520
Aal 23 920
Forelle 22 880
Heilbutt, schwarz 17 680
Heilbutt 5 200
Lachs wild, frisch 20 800
Lachs gezüchtet, frisch 5 200
Miesmuschel 8 320
Jakobsmuschel 5 200
Sardine 7 282
Makrele 5 200
Thunfisch 6 240
Scholle 4 160
Rotbarsch 3 120
Hecht 2 80
Seeteufel 2 80
Steinbutt 2 80
Kabeljau 1,3 52
Fleisch, Ei    
Kalbsfleisch 3,8 152
Hühnerei 3,5 140
Leber (Rind) 1,7 68
Leber (Geflügel) 1,3 52
Milchprodukte    
Sahne 1,1 44
Vollmilch 5 200
Trinkmilch 3,5 % Fett 0,17 6,8
Trinkmilch 1,5 % Fett 0,03 1,2
industriell hergestellte Säuglingsmilch in Deutschland 1-2µg/100 kcal 60
Muttermilch 0,01-0,12 0,6
Joghurt 3,5% Fett 0,06 2,4
Quark 40% Fett 0,19 7,6
Quark 20% Fett 0,09 3,6
Camembert 45% 0,28 11,2
Emmentaler 45% Fett 1,10 44
Edamer 40% Fett 0,3 12
Gouda 40% Fett 1,25 50
Bavaria Blue 1 40
Schmelzkäse 45% 3,1 124
Butter 1,2 48
Margarine 2,5 100
Pilze    
Champignons 2 80
Steinpilze 3,5 140
Pfifferling 2 80
Shiitake frisch 2 80
Shiitake getrocknet 40 1600
Früchte    

Avocado

5 200
Apfel, Birne, Orange, Banane ... 0 0
Gemüse    
Blumenkohl, Tomate, Bohnen, Kartoffeln , Soja... 0 0
Wein    
Rotwein 2,7 108
Weißwein, lieblich 2,7 108
Sekt 2,7 108

 

(Mittelwerte aus vielen Quellen)

 

Dimesionsübersicht:
1µg   =   40 IE (internationale Einheiten)   =   2,5nmol

 

 

Tierische Nahrungsmittel enthalten Vitamin D3, Pflanzen Vitamin D2. Beide sind etwa gleich stark wirksam. Der D2-Gehalt in Pflanzen ist jedoch meist sehr gering.

 

Lebensmittel dürfen in Deutschland nicht mit Vitamin D angereichert werden mit Ausnahme von Margarine.

 

Nahrungsergänzungsmittel

Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) und das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) empfehlen eine Höchsttagesmenge Vitamin D in Nahrungsergänzungsmitteln von nur 200 – 400 IE.
Man will also Nahrungsergänzungsmittel nicht stark mit Vitamin D anreichern, vielleicht aus Angst vor Überdosierung? Eine Überdosis ist erst ab täglicher Einnahme von 100.000 IE zu erwarten, was in einer Studie nachgewiesen wurde.

 

Lebertran

Galt früher als zuverlässiger Vitamin D Lieferant und Schutz vor Rachitis bei Kindern. Heutiges Lebertran enthält nur noch wenig Vitamin D und sehr viel Vitamin A (durch Änderung der Nahrungskette?). Dies ist sehr ungünstig, da Vitamin A in hohen Dosen sehr giftig ist und auch die Wirkung des Vitamin D abschwächt. Vitamin A verdrängt Vitamin D am Rezeptor jeder Zelle. Wir raten deshalb von Lebertran ab.
Lebertran als Öl enthält ca. 90 IE Vitamin D und ca. 1000 IE Vitamin A pro g.
Lebertrankapseln pro Kapsel 10 – 80 IE Vitamin D und 60 – 800 IE Vitamin A.

 

Fischölkapseln

enthalten höchstens 1,5 IE Vitamin D3/g Öl (ca. 80 IE pro Kapsel), da bei der Herstellung die Vitamine entzogen werden. Da auch noch Reste von Vitamin A enthalten sind, sind Fischölkapseln nicht geeignet zur Vitamin D Substitution.

 

Omega-3-Fettsäuren

enthalten kein Vitamin D. Auch in Omega-3-Fettsäure haltigen Arzneimitteln wird in Deutschland kein Vitamin D hinzu gegeben. Neuere Untersuchungen weisen auf mögliche schädliche Wirkung von Omega-3-Fettsäure hin.
Wir raten nicht zur Einnahme von Omega-3-Fettsäure und sie hat nichts mit Vitamin D zu tun.

 

Wie viel Sonne ist notwendig?

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Quelle: iStockphoto

Durch Nahrung aufgenommenes Vitamin D wird durch das UV-Licht der Sonne in seine aktive Wirkform in der Haut umgewandelt. Junge Menschen können auch ein Provitamin bilden, das durch Sonneneinstrahlung im Körper aktiviert wird. Bei älteren Menschen funktioniert dies meist nur noch sehr gering. Selbst wenn viel Vitamin D über die Nahrung aufgenommen wird, kann die Haut auch bei viel Sonneneinstrahlung kein Vitamin D mehr aktivieren. Somit ist Vitamin D im Prinzip für junge Menschen eher ein Hormon und für ältere Menschen eher ein Vitamin.

 

Bei einem hellhäutigen ungebräunten Kind erbringt ein Ganzkörpersonnenbad von 20 Minuten bis zu 20.000 IE Vitamin D. Längere Sonnenexposition führt dann zu keiner weiteren Aktivierung. Der Körper schützt sich somit selbst vor Überdosierung.

 

Erwachsene benötigen 3 bis 4 Stunden Ganzkörpersonnenexpostion zur Aktivierung von 20.000 IE Vitamin D. Früher dachte man es reiche zweimal täglich 15 Minuten Sonne auf Gesicht, Arme und Hände zu bekommen.

 

In unseren Breiten gilt dies nur von Mitte April bis Mitte Oktober, in der übrigen Zeit reicht die UV-Wirkung nicht aus. Zu bedenken ist, dass erhöhte UV-Exposition wahrscheinlich bestimmte Hautkrebsarten auslösen kann.

 

Auf dieser Internetseite können sie individuell errechnen wie viele Stunden ausreichend UV-Licht zur Vitamin D Produktion an einem bestimmten Tag an ihrem Standort vorherrscht.

 

Wenn sie Sonnenschutzcreme benutzen, wird ab Lichtschutzfaktor 8 praktisch kein Vitamin D mehr in der Haut aktiviert. Und je brauner man ist, desto mehr Sonne benötigt man zur Vitamin D Aktivierung.

 

Das Solarium kann die fehlende Sonne ersetzen. Ebenso können dies zumindest etwas Lampen mit Sonnenlichtspektrum, wie wir sie in unserer Praxis in fast allen Räumen haben.

Vitamin D-Synthese - Osteoporose Alphabet Minne

 

Medikamente

Verordnet werden Medikamente mit aktiviertem Vitamin D, es ist dann also keine zusätzliche Sonneneinstrahlung notwendig. Hierzu gehören z.B.

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  • Dekristol 20.000, rezeptpflichtig, enthält 20.000 IE pro Tbl. Sonstige Bestandteile: Erdnussöl, mittelkettige Triglyceride, Glycerol, Gelatine, Alpha-Tocopherol. 50 Tbl. Kosten ca. € 19,00.
  • Vigantol Oel, rezeptpflichtig, 1 Tropfen enthält fast 670 IE, 30 Tropfen enthalten 20.000 IE. Sonstige Bestandteile: Mittelkettige Triglyceride, Stickstoff, Kohlendioxid.
 10 ml kosten ca. € 13,00, 100ml ca. € 35,00.
  • Vigantoletten 500 und 1000, rezeptfrei, 1 Tbl. Vigantoletten 500 enthält 500 IE, 1 Tbl. Vigantoletten 1000 enthält 1000 IE Sonstige Bestandteile: Maisstärke, alpha-Tocopherol, Carboxymethylstärke-Natrium, Cellulose, D-Mannitol, Gelatine, Glyceroltristearat, Saccharose, Siliciumdioxid, Talkum, teilhydrierte Pflanzenöle (Sojaöl). 90 Tbl. kosten ca. € 2,00 bis 4,00.
  • Vitamin D3-Hevert, rezeptfrei, enthält 1000 IE pro Tbl. Sonstige Bestandteile: Butylhydroxytoluol, Calciumhydrogenphosphatdihydrat, Crospovidon, Gelatine, hochdisperses Siliciumdioxid, Magnesiumstearat, modifizierte Stärke, mikrokristalline Cellulose, mittelkettige Triglyceride, Natriumaluminiumsilikat, Povidon 25, Saccharose (Ph.Eur.). 100 Tbl. kosten ca. € 6,00.

Nebenwirkungen von Vitamin D Tabletten gibt es nicht, nur bei Überdosierung. Überdosierungsprobleme können auftreten, wenn man viele Tage über 100.000 IE pro Tag einnimmt.

 

Überdosierung (Intoxikation) kann zu einem zu hohen Kalziumspiegel im Blut führen und folgende Symptome verursachen: Harndrang, Übelkeit, Durchfall, Verstopfung, Appetitlosigkeit, Mattigkeit, Muskel- und Gelenkschmerzen, Nierensteine, Herzrhythmusstörungen, Bluthochdruck.

 

Weitere Informationen zu Medikamenten unter

http://www.diagnosia.com/de/

http://www.gelbe-liste.de/pharmindex/recherche/

 

Die Einnahme sollte mit fetthaltigen Lebensmitteln erfolgen zur besseren Resorption, also zum Mittagessen oder z.B. mit einem Stück Käse.


Unsere Empfehlungen

  • Lassen sie bei Verdacht auf Vitamin D Mangel das 25 OH Vitamin D im Blut bestimmen. In der Regel werden im Labor Vitamin D2 und D3 gemeinsam erfasst. Man braucht dazu nicht nüchtern sein. Das Reagenzglas muss lichtgeschützt z.B. in Alu-Folie ins Labor.
  • Lassen sie sich je nach Blutwert und Symptomen für eine evtl. Substitution kompetent beraten.
  • Der Blutwert sollte mindestens 75 nmol/l (30 ng/l), besser 100 -120 nmol/l (40 – 48 ng/l) betragen. Manche Labors und Ärzte empfehlen niedrigere Einstellungen, weil dies der früheren, veralteten Lehrmeinung entspricht.
  • Allgemeine Empfehlung: Öfter Fischprodukte essen bzw. andere Vitamin D-haltige Nahrungsmittel. Erwachsene täglich 3 Stunden, Kinder 20 Minuten in Badekleidung in die Sonnen gehen, was aber nur von April bis Oktober effektiv ist.

 

Literatur

 

 

 

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