8. Können Religionen helfen den Sinn des Lebens zu finden?

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Im Laufe der zunehmenden naturwissenschaftlichen Erfolge glaubte man, es könne alles erklärt werden und man brauche Gott nicht mehr. Die Quantenphysik hat diese Allmachtvorstellung und Arroganz der Naturwissenschaften zerstört und gezeigt, dass die objektiven Wissenschaften prinzipiell nicht alles erklären können und uns keine Gewissheit geben können. Die ursprünglich von den Naturwissenschaftlern angestrebte Präzision der Phänomene wird in der Quantenphysik wieder zur subjektiven Ganzheit. Diese Erkenntnis macht den Physiker offen für das Transzendente, er wird spirituell.

HeisenbergWerner Heisenberg in seinem Buch "Das Naturbild der heutigen Physik" (1955) frei zitiert:

Wir stehen in der Auseinandersetzung zwischen Natur und Mensch, von der die Naturwissenschaft nur ein Teil ist. Die bisherigen Einteilungen der Welt in

- Subjekt und Objekt
- Innenwelt und Außenwelt
- Körper und Seele

passen nicht mehr zusammen. Auch in der Naturwissenschaft ist also der Gegenstand der Forschung nicht mehr die Natur selbst, sondern die durch den Menschen gewählte Fragestellung an die Natur. Insofern begegnet der Mensch auch hier wieder sich selbst.

So führen uns die Naturwissenschaften zu einer Innenbetrachtung (Introspektion), die in Religionen zu finden ist. Nun sind die Religionen neu gefordert. Keine Dogmen, sondern Anleitung zum Transzendenten in eine spirituelle Welt, zu der wir den Zugang nach der klassischen Physik von Newton (ca. 1700 n.Chr.) immer mehr verloren haben. Gefordert ist keine wissenschaftliche Beweisbarkeit oder Objektivität. Das kann und darf Religion nicht bieten. Würde sie wissenschaftlich beweisbar sein, wäre sie genauso unscharf und auf Wahrscheinlichkeiten beschränkt wie die Naturwissenschaften. Religion ist jedoch offener und beinhaltet weit mehr, insbesondere Subjektivität, Spiritualität und Wechselwirkung mit dem Transzendenten.

Goethe

Goethe
www.wikipedia.org

 

 

Johann Wolfgang von Goethe (1749–1832) hatte die Abspaltung der Naturwissenschaften von geisteswissenschaftlicher Seite schon in der Entstehung gesehen (Vermischte Schriften, Insel 1966):

Der Mensch an sich selbst,
insofern er sich seiner gesunden Sinne bedient,
ist der größte und genaueste
physikalische Apparat, den es geben kann;
und das ist eben das größte Unheil der neuen Physik,
dass man die Experimente
gleichsam vom Menschen abgesondert hat
und bloß in dem, was künstliche Instrumente zeigen,
die Natur erkennen,
ja, sie zu leisten imstande ist,
dadurch beschränken und beweisen will.

L. Wittgenstein

L. Wittgenstein

Ludwig Wittgenstein (Philosoph1889–1951) :

"An einen Gott zu glauben heißt, die Frage nach dem Sinn des Lebens verstehen. An einen Gott zu glauben heißt sehen, dass es mit den Tatsachen der Welt noch nicht abgetan ist. An Gott glauben heißt sehen, dass das Leben einen Sinn hat." Dieser Gott ist innerhalb der Welt nicht zu finden. "Gott offenbart sich nicht in der Welt." Aber er ist außerweltlich Sinn des Lebens. "Gott ist, wie sich alles verhält."

 

Was steht in der Bibel zum Sinn des Lebens?

Das Christentum nach Altem Testament sieht uns als primär schlechten Menschen, belastet mit der Erbsünde: Siehe, ich bin als Sünder geboren, und meine Mutter hat mich in Sünden empfangen.
Psalm 51,7

Im Neuen Testament bleiben wir immer noch schlechte Menschen, durch Jesus Tod sind wir jedoch von Sünde befreit: ... und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern (Vaterunser).
Denn ich weiß, dass in mir, das heißt in meinem Fleisch, nichts Gutes wohnt. Wollen habe ich wohl, aber das Gute vollbringen kann ich nicht. Denn das Gute, das ich will, das tue ich nicht; sondern das Böse, das ich nicht will, das tue ich.
Römer 7,18–19

Die Bibel gibt uns eine ethische Anleitung, also Anweisungen wie wir uns verhalten sollen, um gute Menschen zu werden. In dieser Arbeit an uns selbst wird der Sinn des Lebens gesehen. Am Ziel, also im Tod, wird der gute Mensch unsterblich und lebt im "Himmel". Wenn man ein schlechter Mensch war, kommt man dauerhaft in die Hölle, in der katholischen Kirche zuvor auch in das Fegefeuer. Oder doch nicht? Papst Benedikt XVI hat im April 2007 Fegefeuer und Vorhölle "abgeschafft", sie seien eine "unzulässig eingeschränkte Sicht der Erlösung" und "nur eine theologische Hypothese". Leider hat er die Hölle nicht abgeschafft, obwohl sie den sonstigen Beschreibungen eines gütigen und vergebenden Gottes aus meiner Sicht widerspricht.

Jesus selbst hat eine Hölle wahrscheinlich auch gar nicht erwähnt. Die Authentizität der Bibel bereitet uns Probleme, da das neue Testament erst viele Jahre nach Jesus Tod aufgeschrieben wurde und in den Folgejahren mehrfach bearbeitet wurde. Ferner gibt es Übersetzungsprobleme, da Jesus selbst Aramäisch sprach, das Neue Testament in Hebräisch verfasst ist und von hier z.B. in das Deutsche übertragen wurde, wo wir heute auch unterschiedliche Fassungen vorfinden.

Was heißt eigentlich Religion?
Lateinisch: religio = Gottesfurcht, Rückbindung, das Sich-Zurückbinden an Gott.

Gemeint ist eine transzendente Erfahrungen, als Erfahrung über das Ich-Empfinden hinaus mit dem Ziel eines ethisch richtigen Verhaltens. Gemeint ist die Beziehung vom Einzelnen zum Ganzen, zu allem, was als Ganzes für uns nicht vollständig beschreibbar ist. Eine allgemein anerkannte Definition gibt es nicht.

Die frustrierende Beantwortung der Sinnfrage durch den Theologen und Publizisten Dr. Jörg Zink: „Die Frage nach dem Sinn gehört zu den sinnlosen Fragen, die in einem Menschen erwachen können. Wollte ich auch nur die Spur einer Antwort finden, so müsste ich eine Klarheit haben, in der sich mir alle unlösbaren Rätsel dieses Menschenleben und dieses Kosmos und alles dessen, was vielleicht über ihn hinausreicht, gelöst haben." (Gotteswahrnehmung, Güterlsoher Verlagshaus 2009)

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