8.4 Exkurs: Upanischaden

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Wörtlich aus dem Sanskrit übersetzt: "das Sich-in-der-Nähe-Niedersetzen", gemeint ist, sich zu einem Lehrer zu setzen.

Die Upanischaden (oder Upanishaden) sind eine Sammlung indischer philosophischer Schriften, niedergeschrieben zwischen 700 und 200 v.Chr. Sie sind Grundlage des Hinduismus, Buddha hat sie berücksichtigt und z.B. auch Schopenhauer.

Grundthese ist die Einheit der Weltseele (Brahman) mit dem Einzelselbst (Atman). Unserem Leben liegt eine Wirklichkeit zugrunde, die die Essenz jedes Dinges oder Wesens ist. Diese Essenz (=Wesen eines Dinges, Konzentrat) ist unser wahres Selbst, so dass jeder von uns eins ist mit der Kraft, die das Universum erschuf und es erhält. Die Realisierung dieses Einsseins ist der Zweck unseres Lebens und das Ziel auf das sich die Evolution zu bewegt. Als Formel ausgedrückt: Das bist Du (tat tram asi).

Vereinfachte Zusammenfassung:
Es gibt Brahman, die universelle Weltseele, von der Atman (=Selbst) eine Reflexion in jedem Wesen ist, die innerste Essenz eines Individuums. Beide gehören untrennbar zusammen und sind unvergänglich

Das entspricht dem Buddhismus bis auf das Atman. Die Buddhisten reden von einem Anatman = Nicht-Selbst. Sie sehen das Selbst nicht als ein permanentes und unveränderliches Selbst an, sondern in einem ständigen Wandel.

Shankara (indischer Philosoph):
"In einer Strophe sei verkündet,
Was sich in tausend Büchern findet:
Nur Gott ist wirklich, die Welt ist Schein,
Die Seele ist nichts als Gott allein."

Anregungen aus: E. Easwaran. Die Upanischaden, Goldmann Verlag, 2008, www.wikipedia.de , www.schopenhauer-buddhismus.de und Dr. H. Gärtner.

Der Buddhismus und die Quantenphysik sehen die wissenschaftliche Welt als Interpretation aus der Perspektive der dritten Person, also aus der Sicht eines unabhängigen Beobachters der messen und quantifizieren kann. Sie regen beide die Verknüpfung mit der Perspektive der ersten Person an, sodass Subjektivität und Erfahrung des Bewusstseins wirklich (mit Wirkung) einbezogen werden. Im Gegensatz hierzu hat die klassische Naturwissenschaft die Objektivität als höchste Beurteilungsinstanz.

Wir brauchen einen Paradigmenwechsel, also eine grundlegende Änderung unseres Weltbildes. Ein solches Umdenken begann in der westlichen Welt erst ca. 1900 n.Chr. am Übergang von der klassischen Physik Newtons zur Quantenphysik/Relativitätstheorie. Philosophie, Neurowissenschaften und Theologie werden zunehmend einbezogen zu einem ganzheitlichen Verständnis.

Reichsapfel: Kreuz auf der Weltkugel

Reichsapfel: Kreuz auf der Weltkugel

Nicht nur Religionen, Naturwissenschaften und Philosophieren konkurrieren, sondern auch Staat und Kirche. Sie rivalisieren um gesellschaftliche Macht, um Einfluss auf uns. Die Religionen wollen spirituelle Erneuerung = innere Befreiung, die Politik gesellschaftliche Erneuerung = äußere Befreiung, beide harmonisieren bisher nicht. Beide beanspruchen für sich dem Menschen den richtigen Weg zu weisen. Bekamen sie Macht, waren sie beide gleich totalitär; z.B. der Papst als religiöser Führer im Mittelalter oder Stalin als politischer Führer. Zwei Dinge sind zur Lösung dieses Problems notwendig:

  1. Prinzipiell darf keiner alleine ohne Kontrolle Macht ausüben.
  2. Spirituelle und gesellschaftliche Befreiung müssen gemeinsam erreicht werden.

Religion und Staatsführung müssen sich ergänzen zum Wohle aller und unabhängig voneinander bestehen. Die Staatsform erscheint mir nebensächlich, die Bewusstseinsänderung des Einzelnen vorrangig, z.B. unter religiöser Anleitung.

Trotz momentaner Insuffizienzen muss die christliche Kirche bei uns auch in dieser Form erhalten bleiben als Zufluchtsort vor der Politik (siehe Wendezeit in der DDR), als Option für eine neue Attraktivität der Religion und als Weg zu einem Weltethos. Das spirituelle Bedürfnis aller ist groß. Esoterische Bücher sind Bestseller. Scheinbar kann die Kirche momentan bei uns diese spirituellen Bedürfnisse nicht befriedigen.

Meine Mutter sagte kurz vor ihrem Tod immer: "Es ist gut so wie es ist." Ich finde sie hat recht. Mit dieser Gewissheit ist sie auch sehr ruhig eingeschlafen. Das war ihre Beobachtung und vielleicht ihr Sinn des Lebens.

Und was ist Dein Sinn des Lebens?

Mein Fazit

  • Religionen können uns anleiten zu ethischen und spirituellen Zielen, sie haben die längste Erfahrung darin. Sie sind die einzige Institution, in der wir Gewissheit finden können. Erlangen wir Gewissheit, dann ist sie gültig nur für uns selbst. Unsere Gewissheiten sollten wir nicht auf andere projizieren, das schafft Konflikte und Glaubenskriege. Die anderen haben ihre eigenen Gewissheiten.
  • Ein Weltethos kann uns alle verbinden.
  • Diesen Prozess können wir nur in uns selbst vollbringen. In Übereinstimmung mit unseren Gefühlen, unserer Intuition und unserer Vernunft können wir uns ethischen Zielen verpflichten und handeln zum Wohle aller. Religionen können dazu anregen. Die Umsetzung kann nur durch eine Bewusstseinsänderung erreicht werden. Jeder muss diese Entwicklung aus Überzeugung selbst gehen ohne ethische Vorschriften von außen.

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