4. Sinn des Lebens aus philosophischer Sicht

Übersicht     zurück     

Immanuel Kant

Immanuel Kant,
www.wikipedia.org

Nach der naturwissenschaftlichen Betrachtung, nun ein philosophischer Versuch.

Im Altertum fühlten sich die Menschen als Werkzeuge der Götter. Sie besaßen kein Selbst und keinen eigenverantwortlichen freien Willen. Alle Handlungen waren durch höhere Mächte bestimmt und gerechtfertigt. So stellte sich die Frage nach einem Sinn des Lebens nicht.

Homer beschreibt ca. 780 v.Chr. in der Odyssee die Lösung aus dieser Mythologie. Der Mensch, personifiziert in Odysseus, wird selbst verantwortlich für das, was er tut. Er wird in Geist und Handlung frei, unabhängig von Gott oder vorgegebenem Schicksal. Auch den Ungehorsam von Adam und Eva gegen Gott im Paradies kann man als eine erste bewusste Entscheidung interpretieren, als einen ersten Schritt des Menschen auf dem Weg zur Freiheit, zu einem eigenen Willen.

Am Ende des metaphysischen Weltbildes verlässt der Mensch ein System, das ihm Sicherheit, Schutz und Rechtfertigung gewährte. Gott oder Götter waren Ursprung und Ziel aller Dinge. Mit dem Zerbrechen des metaphysischen Weltbildes tauchte erstmals die Sinnfrage für das einzelne Individuum auf. Seit der Antike versuchen die Philosophen den Sinn des Lebens zu finden. Immanuel Kant (1724–1804) stellt seine vier berühmten Fragen:

Was kann ich wissen?
Was soll ich tun?
Was darf ich hoffen?
Was ist der Mensch?

Weltfragen

www.weltfragen.de (freundliche Genehmigung von Roland Kreuzer)

Zunächst geht es Kant um Erkenntnis, doch er entdeckt, dass der Mensch nicht zu sicheren Antworten gelangen kann, weil die menschliche Vernunft nicht in der Lage ist, "hinter die sichtbare Wirklichkeit zurückzugehen" und deren letzten Grund zu erkennen. Der Mensch sei auf Vernunft und Metaphysik angewiesen.

Menschliche Erkenntnis beruht auf Voraussetzungen, die unabhängig von Erfahrungen sind. Wir erkennen die Welt aufgrund reiner Verstandesbegriffe (Kategorien) und reiner Anschauungsformen wie z.B. Zeit und Raum, die dem Erkenntnisvermögen selbst nicht zugänglich sind. Es gibt für uns Realitäten, die einfach da sind und gültig sind, ohne dass wir sie erklären können. Er nennt das "a priori" (= lateinisch: von früher her). Es gibt Dinge, die sind so wie sie sind. Das haben wir zu akzeptieren. Danach ist π eben π und ein Stein eben ein Stein – und sonst nichts.

Neben dem Denken handelt der Mensch aber auch. So versucht Kant im Praktischen das Unbedingte zu finden. Eine einzelne Handlung hat nach Kant nur Sinn, wenn sie sich positiv einbringen lässt in einen alles umfassenden Zusammenhang. Handlungen müssen ein Motiv haben und ein Ziel. Sinnvoll erweist sich also eine Handlung immer dann, wenn sie sich in einen großen, umfassenden Zusammenhang integrieren lässt. Der größte Zusammenhang ist das Leben, bzw. die Welt. Aber uns Menschen ist es nicht möglich, das Ganze an sich zu erkennen, weil wir endliche Wesen sind. Und so kommt Kant zu dem Schluss, dass wir bei aller wissenschaftlich-technischen Weiterentwicklung niemals zur unbedingten Wahrheit gelangen. Und so fragt er nach der Gewissheit richtigen Handelns. Kant will Handeln, Wissen und Wollen des Menschen nicht unter dem Aspekt des Zieles, des Resultates, unter dem Nutzaspekt sehen, sondern unter dem Gesichtspunkt des "Guten". Sinn vermittelt folglich jener Wille, der sich in Übereinstimmung mit dem "heiligen Willen" in uns befindet. Angestrebt wird damit die Erfahrung eines absolut guten Willens in uns – eine Erfahrung nicht im Wissen, sondern im Gewissen. Soll nun ein Handeln sinnvoll sein, muss es mit dem heiligen Willen in uns übereinstimmen, dabei spielt das subjektive Glück keine Rolle.
(teils in Anlehnung an www.muenster.de/~wosi/Philosop.htm)

Kant ist einer der anerkanntesten abendländischen Philosophen. Für mich ist seine Betrachtung unnötig kompliziert, hat ein sehr theoretisches Niveau und wird der eigentlichen Natur des Menschen und einem Lebenssinn nicht gerecht. Geist und Bewusstsein werden bei Kant berücksichtigt, die Seele als Teil unserer Dreieinigkeit nicht. Phänomene, die er nicht erfassen kann, werden als "a priori" bezeichnet und bleiben prinzipiell ungeklärt. Die Seele als tiefste Essenz des Menschen mit all ihren Gefühlen bleibt Kant fremd. "Was die Seele an sich ist, lässt sich nicht erklären. […] immaterielle Geister sind kein Gegenstand der Erkenntnis, zu ihren Annahmen ist keine Grundlage in der Erfahrung gegeben." (Kant-Lexikon, www.textlog.de/3261.htlm)  

Von Menschen in verzweifelter Lage, wie Viktor Frankl, der das Konzentrationslager der Nazis überlebte, kennen wir einen anderen Ansatz zum Sinn des Lebens: Es kommt nicht darauf an, was wir vom Leben zu erwarten haben, sondern was das Leben von uns erwartet. Leben heißt: Verantwortung tragen für die Erfüllung der Aufgaben, die jedem Einzelnen das Leben stellt, für die Erfüllung der Forderung der Stunde.

Früher empfand ich ähnlich. Das Gefühl, auf dieser Welt zu sein, um etwas zu vollbringen, sich zu bewähren und um das triebhafte aggressive Tier in mir zu zähmen. Hier ist die Evolution auf einem guten Weg. Wenn man bedenkt, dass der Neandertaler noch vor 150.000 Jahren grunzend mit Keulen auf den Nachbarn einschlug, dann braucht die Menschheit vielleicht nur noch einige Tausend Jahre, um sich selbst zu zähmen – wenn es uns dann noch gibt.

Neanderthaler

Neanderthaler
www.wikipedia.org

Durch Änderung unseres Bewusstseins gelingt diese Änderung allerdings schneller, sie ist sogar sofort realisierbar. Diese faszinierende Anregung habe ich aus den drei Büchern von Neal Donald Walsch "Gespräche mit Gott". Seitdem denke ich anders und fasse seine Vorstellungen zusammen:

Das Leben ist keine Bewährungsprobe, keine Erfüllung von Aufgaben, kein Entdeckungsprozess, sondern ein Schöpfungsprozess. Wir sind eine Schöpfungsmaschine. Durch Denken bringen wir neue Manifestationen hervor. Entscheide, wer Du sein willst und nicht wer Du bist.
Sinn des Lebens ist der Prozess, mich selbst zu entdecken, mein eigenes Selbst zu schaffen, wie ich wirklich bin und sein möchte. Das Leben hat den Sinn, den ich ihm gebe. Das unbegrenzte Wissen haben wir alle, wir können uns daran erinnern durch Nach-innen-Gehen, Ein-Sicht. Wir wollen im Leben Erfahrungen sammeln und im Sein leben: Wissen → Erfahren → Sein.
Es gibt keinen Zufall. Jedes Ereignis wird von meinem Selbst zu meinem Selbst gerufen, um zu erfahren und zu schaffen wer-ich-bin.

Um dies zu verstehen und zu vertiefen, brauche ich Klarheit über zwei Dinge:

  1. Was sind Geist, Körper und Seele?
  2. Wie entsteht eine Handlung?

1. Was sind Geist, Körper und Seele?

Geist

Mein Geist ist eine mir bewusste Institution in meinem Körper, nach Walsch lokalisiert in jeder Zelle. Mein Geist erzeugt Gedanken, die als eine Form von Energie auftreten. Meine Gedanken kommen aus meinem Wissen, meinen Erfahrungen, meinem Unbewussten und dem kollektiv Unbewussten, also den Erfahrungen der gesamten Menschheit. Die Codierung dieser Erfahrungen liegt vermutlich in den Genen (siehe Kapitel Neuroplastizität). Geist ist Denken. Und Denken ist eine Energie. Kein Gedanke stirbt. Gedanken dehnen sich aus ins Universum, nehmen Gestalt an, kreuzen sich in einem unglaublichen Labyrinth mit anderen Gedanken.

Der Geist trifft Entscheidungen, er trifft die Wahl auf drei Ebenen: Logik, Intuition und Emotion. Manchmal bezieht der Geist alle drei Komponenten ein, das birgt Konflikte. Alle Gedanken speisen sich letztendlich aus Liebe oder Angst, den beiden Grundemotionen. Der Verstand bewertet bewusst die Gedanken für Entscheidungen. Bewusstsein ist der Prozess, Wissen zu erfahren, um zu sein und um das Unbewusste zu leben. Der Verstand ist die kontrollierende Instanz des Geistes.

Etwa 60 000 Gedanken denkst Du als Mensch im Durchschnitt täglich.

3 %     aufbauende, hilfreiche Gedanken, die Dir selbst oder anderen nützen.

25 %    destruktive Gedanken, die Dir selbst oder anderen schaden.

72 %    flüchtige, unbedeutende Gedanken, die nur vergeudete Zeit und Energie sind.

Quelle: www.paranormal.de/paramirr/gedanke

Körper

Der Körper ist unsere äußere Erscheinungsform, in den Geist und Seele inkarnieren. Der Geist ist zu Lebzeiten an den Körper gebunden, die Seele nur zum Teil.

Seele

"Die Seele ist überall in dir und um dich herum. Sie ist das, was dich in sich birgt und umfasst."
"Die Seele ist das, was dich zusammenhält", sie umhüllt den Körper, entspricht etwa der Aura.
Es existiert kein Ort, wo die Seele des einen anfängt und des anderen aufhört, so wie es keine Stelle gibt, wo die Luft des Wohnzimmers aufhört und des Esszimmers anfängt. Es ist alles dieselbe Luft,
dieselbe Seele.

Dichotomie (= Widerspruch) der Seele: Es gibt nur eine Seele. Gleichzeitig existieren viele Seelen. Die Seele ist Lebensenergie, die in allem steckt. Sie ist das, was alle physischen Objekte zusammenhält. Die "Seele Gottes" schafft den Zusammenhalt im Universum, die "Seele des Menschen" schafft den Zusammenhalt in jedem einzelnen menschlichen Körper. Doch es gibt keine Trennungslinie zwischen den Seelen, wo die eine anfängt und die andere aufhört.

Die individuelle Seele entspricht etwa dem Selbst. Sie speichert alle Gefühle, die man je hatte.
Der Grund einer Seele, sich zu (re)inkarnieren ist zu sein und auszudrücken, wer sie wirklich ist. Sie möchte sich selbst erfahren und erkennen, nach Sein streben.

"Die Seele erschafft. Der Verstand re-agiert." Die Seele strebt intuitiv die perfekte Situation an, um richtig zu denken und die Erfahrung zu bekommen, wer sie wirklich ist. Die Seele will sich selbst über die Erfahrung kennenlernen. Die Seele begreift, dass Du und ich eins sind, auch wenn Verstand und Körper dies leugnen. Deshalb ist es dienlich, bei wichtigen Entscheidungen "den Verstand zu verlieren", ver-rückt zu sein und etwas Seelenforschung zu betreiben. "Die Seele begreift, was der Verstand nicht zu erfassen vermag". Die Seele spricht in Gefühlen zu Dir, deshalb achte und folge deinen Gefühlen. Ziel der Seele ist die Evolution, sie will sich in ihrer Erfahrungen kennenlernen, erkennen. "Das höchste Gefühl ist die Erfahrung der Einheit mit Allem-Was-Ist. Dies ist die große Rückkehr zur Wahrheit, welche die Seele ersehnt. Dies ist das Gefühl vollkommener Liebe. Die Seele muss also, um die vollkommene Liebe zu erfahren, jedes menschliche Gefühl durchleben."

Die Seele will sein. Es gibt nichts zu tun, außer zu sein. Was bedeutet sein?
Sein, was immer ich will: Glücklich sein, traurig sein, verliebt sein ...
Jeder wählt, was er möchte.

Jede Seele existiert milliardenfach als unterschiedliche Personen gleichzeitig an Milliarden Punkten im Raum-Zeit-Kontinuum im ewigen Moment des Jetzt. Eine Zeit gibt es nicht. Es gibt nur eine Seele, wir sind alle eins, das Bewusstsein ist nur aufgespalten, Gott hat sich selbst in viele Stücke geteilt.
Unsere Seele weiß zu jeder Zeit alles, was es zu wissen gibt, sie will sich aber erfahren.

Diese Darstellungen von der Dreieinigkeit von Körper, Geist und Seele von Neal Donald Walsch geben mir Denkanstöße in neue Richtungen. Zur Vertiefung in dieses Denken habe ich Zusammenfassungen seiner drei wichtigsten Bücher zusammengestellt mit Aussagen, die mir am wesentlichsten erscheinen. Ich verstehe diese Bände als eine Bibel für die heutige "Zeit".

Übersicht     zurück