2. Zeit - Wie die Zeit in die Welt kam

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Urknall

Urknall aus www.wikipedia.org

Schauen wir zunächst wie die Zeit in die Welt kam. Vor dem Urknall bestand Singularität, Bündelung von allem was ist (in Gott) in einem Punkt. Nach dem Urknall flog alles auseinander, die Teile entfernten sich voneinander und für ihre relative Entfernung zueinander brauchte es eine Dimension, die durchlaufen wird. Eine Entfernung, eine Position in Abhängigkeit vom Ablauf der Ereignisse. Das haben wir Zeit genannt. Teilchen A war an Position x, fliegt weiter und ist dann an Position y.

Dahinter steckt das Kausalitätsprinzip: Es können keine Dinge aus dem Nichts entstehen, alle Dinge entstehen in Abhängigkeit von anderen Dingen. Teilchen A ist aktuell an Position y, zuvor war es nicht hier, es war an einem anderen Ort. Wäre das Teilchen also vorher nicht z.B. an Position x gewesen, wäre es nie zu Position y gekommen. Y kann ohne Zusammenhang zu x nicht existieren. X und y sind relative Positionen zueinander in gerichteter (zeitlicher) Folge. So entsteht nichts unabhängig. Alles hat eine Vorgeschichte. Alle Phänomene besitzen keine unabhängige Identität. Sie sind „leer“, wie man im Buddhismus sagt. Schlussfolgernd hängt alles mit allem zusammen, da sich alles gegenseitig beeinflusst und besteht permanent ohne Anfang und ohne Ende.

Diese kausalen Abläufe sind abhängig von den Wechselwirkungen an Ursachen und Umständen und für uns Menschen auch abhängig von unserer Wahrnehmung. Unsere Wahrnehmung ist sehr begrenzt, so dass wir immer nur unsere subjektive Realität erleben. Was objektiv real kausal stattfindet, können wir prinzipiell nicht erfahren. Kausalität ist somit ein reales Phänomen, wird uns aber immer verschlossen bleiben (siehe auch Kapitel: Wahrnehmung und Warum-Frage).

Ursache und Wirkung sind immer durch Raum getrennt. Also existiert zwischen ihnen eine zumindest kleine räumliche Entfernung, diese Differenz ist Zeit, hier Raumzeit. Diese Eigenschaft bestimmt den Unterschied zwischen Vergangenheit und Zukunft.

Wenn ein rohes Ei zu Boden fällt, zerplatzt es, während der umgekehrte Vorgang noch nie beobachtet wurde. Diese Unumkehrbarkeit wird immer gerechtfertigt mit dem zweiten Hauptsatz der Thermodynamik, dem zufolge in einem geschlossenen System die Entropie (= Ausmaß der Unordnung) mit der Zeit zunimmt. Ein intaktes Ei hat eine geringere Entropie als ein zerschlagenes Ei. So kann die Differenzierung von Vergangenheit und Zukunft erfolgen mit einer Richtungsgebung der Zeit. Nun drehen wir einen Film von dem fallenden Ei und schneiden alle Bilder einzeln an der Filmrolle ab. Es fällt leicht die Bilder wieder chronologisch zu stapeln. Vor uns liegt eine geordnete Folge in der räumlichen Vertikalen. Jedes Bild demonstriert eine Eigenschaft eines räumlichen Weltzustandes, ist aber nicht die Eigenart der Zeit selbst. Jetzt kopieren wir den Film und kleben den zweiten Teil in umgekehrter Reihenfolge an den ersten. Schauen wir uns jetzt den Film chronologisch an fällt das Ei, zerplatzt am Boden, setzt sich wieder zusammen und steigt auf. Solche Filme kennen wir alle und lachen darüber, was zeigt, dass jedes Kind die Unumkehrbarkeit des zweiten Hauptsatzes der Thermodynamik verinnerlicht hat. Zerschneiden wir nun auch diese zweite Filmrolle in Einzelbilder und wollen beide Filme in zeitlicher Abfolge stapeln, bekommen wir ein Problem. Welches Bild zum fallenden und welches zum aufsteigenden Ei gehört, vermögen wir nicht zu bestimmen, da immer zwei Bilder völlig identisch sind. Die Erscheinungen sind also identisch, egal, ob der Ablauf (die Zeit) vorwärts oder rückwärts gerichtet ist. Selbst wenn es die Zeit gäbe, kann sie selbst nicht die Eigenschaft einer Richtung haben.

Ein Foto (Bild) „friert“ die Vergangenheit visuell „ein“, so wie dies eine CD auditiv macht. Die anderen Sinneswahrnehmungen können wir (noch) nicht „einfrieren“. Die Interpretation eines Fotos, die Geschichte darum, die begleitenden Gefühle, eine Richtung, sie stellen sich inhomogen dar, je nach Person, Blickwinkel, Augenblick …


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